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Blues und Jazz in Bangkok…

Ja, ich war schon mit einem ziemlichen Blues angereist. Hatte auch Grund genug dazu. Und wenn einen der Blues mal so richtig heftig gepackt hat, aber das kennst du ja. Da fühlst du dich dann plötzlich ganz verloren. Und dann erst in diesem Riesenmoloch. Unendlich weit nur Beton und Neon. Und dann erst nöcher bevor du gemerkt hast, dass du soeben deine Visakarte mit Gedöns dazu liegengelassen hast. Liegengelassen. Und die Olle am Telefon fragt noch blöd, wie denn die Nummer der Karte sei. Echt hey, hat sie die noch alle? Und ob ich sie wirklich verloren hätte? Ich meine, klauen lässt man sich eine Visa-Karte ja schon mal, aber verloren? Im Etui, das für den riesenkrassen Ghettonotfall gedacht gewesen war? Noch am ersten Tag, ne in der ersten Stunde der langen Reyse? Aber ich hab ja keine Kinder. Für den Fall, dass Blödheit erblich sein sollte.

Aber ich will dich jetzt nicht volllabern mit Schwermut und dunklen Gedanken und so. Weil inzwischen bin ich ja weitergezogen und hat der Blues dem Jazz und der Jazz dem Swing Platz gemacht – wobei der Swing durchaus auch durch den Blues genährt wird. Sagt man jetzt kaum so, aber von Musik hab ich eh recht wenig Ahnung.

Und dann also Bangkok. Eben noch in der Business-Class Liege gelegen und an einer Flute genippt und schon fahr ich mit dem Taxi über den taxpflichtigen Highway, der schnurgerade quer über die Dächer Bangkoks führt und ich errate auch gleich, wo der Taxidriver fahren gelernt hat: bei so einem Computergame, wo automatisch Gas gegeben wird und man nur steuern und bremsen kann. Wobei Bremsen Punktverlust bedeutet. Aber erstaunlich geschmeidig landen wir kurze Zeit später im Backpackers Paradise, im Hotel mit Swimming Pool und Minarettanschluss (relevant morgens um 4 und freitags um 10 Uhr morgens) und einer Klimaanlage, die nur Vollast kennt, sprich alle zwei Stunden heisst es aufstehen und Klimaanlage ein- oder ausschalten.

Denn in Bangkok ist es stickig. Wenn man sich genau darauf achtet, sieht man auch Bäume, aber die sind fast ausschliesslich einzeln gepflanzt. Also so Baumansammlungen, Parks oder so sind da äusserst selten zu finden, was bei gefühlten Aussentemperaturen von gemäss einer Wettersite gegen 40 Grad Celsius – gewöhnungsbedürftig ist. Oder schlicht und einfach nicht geht. Da kriegt sogar jener ein Blues, der grad, aber eben, lassen wir dieses Thema mal. Wahrscheinlich schlafen die Thais deshalb so gerne – und überall.

Was mach ich bloss hier? Meine Gedanken sind noch nicht angekommen. Irren noch, aber eben. Kannst dir ja vorstellen, wo die Gedanken eines Mannes irren, wenn er grad den Blues hat. Dann heisst es eben: Bier trinken und abwarten! Aber irgendwann wird es Morgen und morgens mag ich kein Bier. Also ausschlafen. Aber irgendwann mag ich nicht mehr ausschlafen. Kann ich nicht mehr ausschlafen. Wegen der Moschee. Und dann gehts los. Fotos schiessen. Missmutig. Menschen beobachten. Missmutig. Denn es ist heiss. Und der Blues. Und dann wieder zurück ins Backpackers Paradise. Vorbei an Mc Donalds und Burger King. Den Scorpion-Verkäufern (schmeckt halt so wie ein Tier, das ausschliesslich aus Schale besteht, nachdem man den Rest weggeräuchert/-brannt hat). Den Was-weiss-denn-ich-wozu-man-dieses-irre-Ding-gebrauchen-könnte-Verkäuferinnen und Verkäufern. Vorbei an Gestank und Lärm, vorbei, vorbei, vorbei… Ja, es ist vorbei. Vorbei vorbei vorbei. Ach der Blues. Nein, er dauert an.

Und ich frag mich, aber da macht man halt das beste draus. Thai Massage. Bier. Kleiner Spaziergang. Keine zwei Minuten vom Paradies entfernt. Musik. Sanfte Klänge. Nur wenige Leute, alles Einheimische. Ich gehe daran vorbei, meine Stimmung hellt auf, ich gehe zurück. Und es wird der schönste Abend in Bangkok bei wunderbar gecoverten Evergreens von Frank Sinatra, Ray Charles, den Beatles und vielen weiteren mehr. If Jazz happens, Blues has no janzz! If the music swings, life cannot blues! Irgendwie so.

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