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Die Reysekameras – Stand 2016

Vor gut einem Jahr (Sommer 2015) habe ich meine erste Micro Four Thirds (MFT) Kamera gekauft und seither viel in dieses System investiert. Eine Investition, die ich nicht bereut habe. Was sind für mich die Vorteile dieses Systems?

Das MFT System setzt auf spiegellose Kameras mit Wechselobjektiven. Dies bedeutet, dass man im Gegensatz zu herkömmlichen Spiegelreflexkameras im Sucher nicht direkt durch das Objektiv blickt, sondern auf einen kleinen Monitor, der dasselbe Bild zeigt wie jenes auf dem Monitor auf der Rückseite. Es gibt auch spiegellose Kameras ganz ohne Sucher, die ich aber nicht verwende.

Vorteile von elektronischen Suchern

1. Die Kameras sind kleiner.
2. Man sieht im Sucher, wie das „fertige“ Bild ausschauen wird, z.B., ob das Bild über- oder unterbelichtet ist.
3. Man kann das Bild nach der Aufnahme kurz eingeblendet lassen und so direkt kontrollieren, ob es gut geworden ist.
4. Da es sich um ein elektronisches Bild handelt, lassen sich diverse Zusatzinformationen einblenden. Besonders praktisch ist dies beim manuellen Fokussieren: hier werden Bereiche, die scharf sind rot eingefärbt.
5. Bei langen Teleobjektiven kann das Bild stabilisiert werden – das Bild im Sucher ist völlig ruhig, wogegen es bei ausgeschaltetem Stabilisator hin- und herschwenkt.
6. Die Sucher können nach Belieben positioniert werden und auch beweglich ausgeführt werden.

Moderne elektronische Sucher bieten inzwischen sogar eine bessere Bildqualität als schlechte optische Sucher (wo man das Bild direkt durch das Objektiv sieht). Ich würde behaupten, dass sie sogar den meisten optischen Suchern überlegen sind. Einen Nachteil haben sie aber: sie benötigen viel mehr Strom.

Vorteile von MFT

Es gibt inzwischen viele spiegellose Kameras. Das MFT-System ist dabei eines mit einem eher kleinen Sensor, was Nachteile bei wenig Licht und allgemein bei der Bildqualität mit sich führen kann. Für das Reysen ist mir aber vor allem die Kompaktheit und Vielfalt wichtig – und hier ist das MFT-System ungeschlagen. Zumal die Bildqualität für mich mehr als ausreichend ist.

Der wohl grösste Vorteil für mich ist die gewaltige Auswahl an Kameras und Objektiven. Von Panasonic gibt es mit der GM1 und der GM5 zwei Kameras, die unglaublich klein sind. Eine GM5, die sogar einen Sucher hat, nehme ich gerne als Zweit- oder Drittkamera mit. Sie ist so klein, dass es bei einem guten Objektiv vom Packmass her kaum einen Unterschied spielt, ob ich sie dabeihabe oder nicht. Ich kann aber auf das Objektivwechseln verzichten.

Die Panasonic GM5 mit Panasonic 12-32 3.5-5.6

Als Erstkamera ist sie aber eher ungeeignet. Kleine Kameras sind mühsam zu bedienen, der Sucher ist winzig – aber die Bildqualität ist im Prinzip dieselbe wie bei den „Grossen“. Und diese „Grossen“ nähern sich „normalen“ Spiegelreflexkameras von der Grösse her an. Vorteil: sie liegen besser in der Hand als die Kleinen, haben mehr Funktionen und mehr Einstellmöglichkeiten (Knöpfe, Räder etc.).

Meine Reysekameras

Ich habe mich für zwei „mittelgrosse“ Kameras entschieden, die ich auf meinen Reysen dabeihabe: eine Panasonic GX8 und eine Olympus Pen-F. Das Zubehör (z.B. Objektive, Blitz) ist natürlich mit beiden kompatibel.

links Panasonic GX8 mit Olympus 12-40 2.8, rechts Olympus Pen-F mit Olymus 14-150 2.8

Die GX8 ist zurzeit die einzige erhältliche Kamera mit einem beweglichen Sucher – für mich ein Killerfeature. Man kann den Sucher nach oben klappen und von oben hineinsehen, was in vielen Situationen eine entspanntere Körperhaltung ermöglicht. Die Kamera ist noch einigermassen kompakt, ist aber auch extrem individualisierbar, das heisst, ich kann vielen Knöpfen genau die Funktion zuweisen, die ich häufig benötige.

Die Pen-F ist etwas kleiner als die GX8 und etwas zickig. Sie sieht gut aus, ich fotografiere sehr gerne mit ihr, aber sie hat diverse Schwächen. So verstellt sich das Belichtungkorrekturrad sehr leicht, was bedeutet, dass ich fast jedesmal, wenn ich die Kamera aus der Tasche nehme zuerst dieses Rad auf „0“ stellen muss. Sie ist auch weniger gut individualisierbar und sie stellt zwischendurch Einstellungen einfach zurück. Eben, eine Zicke. Aber zum Fotografieren liegt sie eben doch sehr gut in der Hand. Und sie hat einen grossen Vorteil gegenüber der GX8: einen besseren Bildstabilisator. Das Bild im Sucher ist bei meinem „grossen“ Objektiv viel ruhiger und es lässt sich mit längeren Verschlusszeiten noch verwacklungsfrei fotografieren. Und die Pen-F kennt noch einige Features, die die GX8 nicht hat.

Warum mehrere Kameras?

Warum aber trage ich zwei (oder auch drei) Kameras mit mir herum? Der wichtigste Grund ist natürlich, dass die Ersatzkamera den Ersatzakku überflüssig macht. Nein. Natürlich nicht. Es geht um den Objektivwechsel. Sehr oft fotografiere ich 70-100 Prozent mit einem Objektiv und 0-30 Prozent mit einem anderen. Das bedeutet, dass ich oft für eine einzige Foto das Objektiv wechseln müsste. Und wechseln heisst: 1. Objektiv weg, 2. Objektiv ran – aber dann auch wieder 2. Objektiv weg und 1. Objektiv ran – wobei ich nicht weiss, ob ich für die nächste Foto doch Objektiv 2 benötige. Objektivwechsel ist langsam, mühsam, umständlich, es besteht die Gefahr, dass man Kamera oder Objektiv fallen lässt, es kann Staub auf den Sensor kommen etc. etc. Weil aber die MFT-Kameras so kompakt und leicht sind, ist ein zweites Gehäuse gut mittragbar. Und es genügt eben auch die winzige GM5,

Meine Objektive

An der GX8 verwende ich meist ein lichtstarkes 12-40mm (f 2.8) Objektiv von Olympus. Diese Brennweite entspricht einem „normalen“ Objektiv der Grösse 24-80mm. Ich ergänze hier der besseren Vergleichbarkeit wegen immer in Klammern die „normalen“ Brennweitenbereiche. An der Pen-F verwende ein lichtstarkes 40-150mm (80-300mm, f 2.8) Objektiv von Olympus. Mittels eines (kompakten) Telekonverters lässt sich dieses Objektiv noch erweitern zu einem 56-210mm (112-420mm, f 4) Objektiv.

Diese Objektive sind allerdings nicht klein. Sie sind aber im Vergleich zu grösseren Systemen qualitativ hervorragend, verhältnismässig (!) leicht und doch deutlich kompakter. Alternativ gibt es von Panasonic deutlich kompaktere Objektive mit ähnlichem Brennweitenumfang: ein 12-35mm ( (24-70mm, f 2.8) und ein 35-100mm (70-200mm, f 2.8). Haptisch gefallen mir die Objektive von Olympus aber einfach besser und vor allem das wirklich grosse 40-150mm Objektiv hat zusammen mit dem Telekonverter einen für mich viel passenderen Brennweitenbereich.

Der Vorteil des MFT-Systems besteht aber ja in der Vielseitigkeit: nebst diesen grossen Objektiven kann ich noch Miniobjektive mitnehmen, die im Vergleich zu grösseren Systemen fast schon lächerlich klein sind – aber dennoch eine gute Bildqualität liefern. Besonders kompakt sind dabei das 12-32mm (24-64mm, f3.5-5.6) Objektiv von Panasonic und das 35-100mm (70-200mm, f 4-5.6) Objektiv von Panasonic. Als Alternative bietet sich das 14-140mm (28-280mm, f 3.5-5.6) Objektiv von Panasonic an, das nur wenig grösser ist, aber einen gewaltigen Zoombereich umfasst.


Panasonic 12-32 3.5-5.6; Panasonic 35-100 4-5.6, Panasonic 14-140 3.5-5.6

Festbrennweiten verwende ich nur selten – ich sehe keine wirklichen Vorteile darin, ausser dass sie noch etwas lichtstärker sind. Ich bezweifle, dass ausser vielleicht Profis überhaupt jemand heute noch einen Unterschied sieht zwischen einem guten Zoom und einer guten Festbrennweite. Ausser vielleicht, dass jene, die Festbrennweiten verwenden ständig am Objektivwechseln sind und damit zum einen viele Motive verpassen und sich beim Objektivwechsel Staub auf den Sensor setzt, der dann auch in den Bildern sichtbar sein kann…

Alternative

Als wirklich kompakte Alternatvie trage ich manchmal noch eine Sony HX90V mit. Sie hat einen immensen Zoombereich (24-720mm) und ist ultrakompakt (vergleichbar mit der GM5). Die Kamera hat diverse Nachteile, aber sie passt in jede Jacken- oder Hosentasche und für Schnappschüsse ist die Kamera auch sehr gut geeignet. Ein Bild wirklich zu komponieren ist aber nur sehr eingeschränkt möglich mit ihr. Weshalb ich nebst der HX90V dann doch noch zumindest die GX8/Pen-F mit dem 12-40mm (24-80mm) Objektiv dabei habe.

Sony HX90v

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