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Links- oder Rechtsverkehr – was ist „richtig“?

Auf den ersten Blick scheint die Frage müssig zu sein, ob der britische Links- oder der kontinentaleuropäische Rechtsverkehr „richtig“ sei. Immerhin scheinen sich die Briten ihrer Eigensinnigkeit bewusst zu sein, weshalb zumindest in London vielerorts am Boden geschrieben steht, in welche Richtung man schauen soll. Doch auch sonst spricht mancherlei gegen den Linksverkehr, der bei weitem nicht die einzige Eigensinnigkeit der Briten ist, die sich langfristig nicht durchsetzen konnte (man denke nur an die nichtmetrischen Masse). So stehen Briten in der Ubahn wie bei uns üblich auf der Rolltreppe rechts – und links wird überholt. Oder sind die Ubahn Eingangstore so konzipiert, dass rechts das Ticket entwertet wird, was natürlich auch Sinn ergibt, da auch die meisten Briten Rechtshänder sind. Und genau diese Rechtshändigkeit spricht letztlich für den Rechtsverkehr.

Doch eher als die Verkehrsrichtung zu ändern werden die Briten wohl ihre Unabhängigkeit noch weiter betonen und sich weiter abkapseln. Dabei gibt es verschiedene Beispiele, wo vom Links- zum Rechtsverkehr gewechselt wurde. In Schweden beispielsweise wechselte man an einem Sonntagmorgen im September 1967, am „Dagen H“, von der Links- zur Rechtsspurigkeit. 10 Minuten vor 5 Uhr morgens mussten alle Fahrzeuge auf der linken Strassenseite stoppen, die Strassenseite wechseln, bis 5 Uhr warten und durften danach erst weiterfahren.

Hintergrund für die Umstellung war zum einen, dass in den umliegenden Staaten bereits Rechtsverkehr herrschte, zum anderen hatten schwedische Autos das Steuer ebenfalls links angebracht, was insgesamt mehr Nach- als Vorteile mit sich brachte. Zudem geschahen unverhältnismässig viele Unfälle von Schweden im Ausland – und von Ausländern in Schweden.
All diese Gründe sind für den Inselstaat Grossbritannien offensichtlich weniger wichtig, weshalb es für die Briten eigentlich gar keinen Grund gibt, die Verkehrsrichtung zu ändern. Zumal auch die Entwertungsmaschinen in der Ubahn zwar für Rechtshänder ausgelegt sind, aber dennoch dem Prinzip des Linksverkehrs folgen. Manchmal. So wie auch auf dem Gehsteig in der Regel links aneinander vorbeigegangen wird. Manchmal.

Warum aber hat sich eigentlich in Kontinentaleuropa der Rechts- und in Grossbritannien der Linksverkehr durchgesetzt? Zum einen hatte dies mit der Art zu tun, wie die Peitsche bei Pferdefuhrwerken geführt wurde. Zum anderen hatte natürlich Napoleon seine Finger mit im Spiel: Napoleon verbreitete diese in Frankreich geltende Regelung in ganz Kontinentaleuropa. Und Grossbritannien den Linksverkehr in seinen Kolonien (vgl. Karte dazu: rot Rechtsverkehr, blau Linksverkehr).

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