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On my way – und erste Gedanken zu Kuba

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Holland ist ein kleines Land mit einer grossen Geschichte. Vielleicht erklärt dies die Ausmasse des Flughafens Schiphol. Nach einem gut einstündigen Flug fahren wir während 15 (!) Minuten in recht hohem Tempo in Richtung Gate. Dabei haben wir mindestens das halbe Land durchquert, sind über einen Kanal gefahren und von fern hat uns auch noch die Königin zugewunken. Freundlich.

Es war wohl auch eine Idee von ganz oben, die Rolltreppen grundsätzlich nur nach unten fahren zu lassen – auch wenn ein ganzer Flug nach oben gehen will: ein gut verstecktes Fitnessprogramm für die wohlstandsverwöhnten Vielflieger. Auf der Suche nach dem Hotel werde ich zudem mit der schieren Grösse des Flughafengebäudes konfrontiert – und damit, dass abends nach neun nicht mehr viel los ist. Mancher Weg ist verschlossen, aber die Mitarbeiter sind freundlich und lotsen mich in die richtige Richtung – bloss erfahre ich jetzt, dass es mehrere Hotels im Security-Bereich gibt und ich hab doch keine Ahnung, welches ich gebucht habe (und das Passwort für die Reservation ist auch nicht grad präsent). So irre ich nach der laschen Passkontrolle durch die Weiten des Gebäudes und halte mich gnadenlos an die Erläuterungen, selbst dann als der Weg nur noch mit Notausgangsschildern gekennzeichnet ist und rechts und links Türen abgehen mit der Aufschrift „only for security personnel“ oder ähnlich.

Plötzlich tut sich eine fast schon sakrale Halle vor mir auf mit bekannten internationalen Fastfoodketten und wenige Sekunden später stehe ich im fensterlosen Zimmer und werde erst am nächsten Morgen wieder geweckt durch ein hässliches Bohren – eine Baustelle nebenan.

Der Weg zum Gate ist kurz, die Wartezeit etwas länger, beim Boarding gibt’s Probleme, weil die Idioten vom Zoll meinen Pass nicht gescannt haben – alles winzige Problemchen im Vergleich zu dem, was mich auf Kuba erwarten könnte, respektive dem, womit sich die Kubaner täglich konfrontiert sehen. Zwar funktionieren Gesundheitssystem, Bildung und Sport für ein armes Land wie Kuba sehr gut. Uind dies trotz des Wirtschaftsembargos der USA, das seit bald 60 Jahren auf Kuba lastet und auch nichtamerikanische Firmen am Handel mit Kuba hindert, die mit Amerika geschäften.

Es gibt aber auch ein Dreigestirn, das erst in letzter Zeit wieder besser funktioiert: Morgen-, Mittag- und Abendessen. Obwohl Kuba eine klimatisch fast schon paradiesische Insel ist, war die Landwirtschaft im Sozialismus unglaublich ineffizient und ist die Infrastruktur des Landes komplett verfallen. Erst das Erlauben einer privaten Landwirtschaft hat die Ernährungslage entspannt und zu spannenden Projekten geführt: so soll die Hauptstadt Havana heute fast autark funktionieren, sprich sollen fast alle Lebensmittel in Dach- und Hinterhofgärten angebaut und zumindest teilweise auf privaten Märkten verkauft werden. Angeblich bis zu 50 Prozent des im Lande produzierten Gemüses soll aus Havanna stammen, wohl auch deshalb, weil auf dem Land die private Wirtschaft noch wenig entwickelt ist. Die Anbauschlacht in Havanna soll aber auch dazu geführt haben, dass man wie im Hotel in Schiphol morgens nicht ausschlafen kann: von allen Dächern sollen die Hähne den Sonnenaufgang bekrähen.

Ach und wenn wir schon bei Hähnen und Hennen sind: auch wenn die Kubaner es mit der Liebe relativ locker nehmen und die Scheidungsrate gigantische Zahlen erreicht, gibt es zu wenig Nachwuchs, Kuba droht auszusterben. Dies ist wiederum ein Zeichen für eine eigentlich recht wohlhabende Gesellschaft, da Kinderreichtum vor allem ein Thema in armen, unterentwickelten Gegenden ist. Ein Hinweis mehr, dass Kuba ein unglaublich heterogenes und widersprüchliches System hervorgebracht hat, das kennenzulernen ich sehr gespannt bin.

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