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Reisekameraberatung – Stand 2016

Wie die Werbekampagne von Apple zeigt, lassen sich selbst mit einer Handykamera gute Fotos schiessen. Warum also eine grosse Ausrüstung mitschleppen? Dies hat verschiedene Gründe, die im folgenden erläutert werden. Zudem stelle ich verschiedene empfehlenswerte Systeme und Kameras kurz vor.

Kompaktkameras

Kompaktkameras nennt man Kameras ohne Wechselobjektive. Manche von ihnen sind alles andere als kompakt – es lässt sich einfach das Objektiv nicht austauschen.

Kompakte Travelzoomkameras

Der vielleicht grösste Nachteil von Handykameras ist der fehlende Zoombereich. Wer grundsätzlich mit den Handyfotos zufrieden ist, aber mehr zoomen können möchte ist bei Travelzoomkameras vielleicht am richtigen Ort. Diese sind extrem kompakt und verfügen dennoch über einen gewaltigen Zoombereich vom recht starken Weitwinkelobjektiv (24-28mm) bis zum Supertele >600mm). Die Bildqualität bei genügend Licht ist vergleichbar mit jener von Handies, allerdings sind die kreativen Möglichkeiten etwas eingeschränkt und benötigen sie relativ viel Licht.
Empfehlenswert sind hier vor allem die Sony HX90V und die Panasonic DMC TZ81, die beide auch noch über einen (kleinen) Sucher verfügen.

1 Zoll Kameras

Die gewaltigen Zoombereiche der Travelzoomkameras erkauft man sich mit einem kleinen Sensor, der viele Nachteile hat (u.a. Bildqualität). Es gibt deshalb immer mehr „1 Zoll Kameras“, die über einen schon recht grossen Sensor verfügen, aber immer noch relativ kompakt sind. Hier können zwei Kategorien unterschieden werden:

Kompakte 1 Zoll Kameras

Um kompakt zu bleiben müssen 1 Zoll Kameras beim Zoombereich abspecken. Die wohl beste Kamera in diesem Segment ist die Sony RX100, von der es ältere und neuere Versionen gibt, von denen mehrere noch erhältlich sind und unterschiedlich viel kosten. Die RX100 ist extrem kompakt und bringt brillante Bilder. Neu in diesem Segment sind auch Kameras von Nikon zu empfehlen, insbesondere die DL 18-50, die einzige wirkliche Weitwinkelkompaktkamera. Schon etwas grösser ist die Panasonic LX100, deren Sensor sogar noch etwas grösser ist als 1 Zoll. Alle diese Kameras sind sehr lichtstark, benötigen also wenig Licht und es lässt sich mit ihnen (beschränkt) mit der Schärfentiefe spielen. Von der Bedienung her sind sie aber alle eher umständlich, da zu klein und liegen auch nicht wirklich gut in der Hand.

Grössere 1 Zoll Kameras

Wer auf einen Sucher verzichten kann, findet mit der Canon G3X eine sehr gute Kamera, die über einen sehr grossen Zoombereich verfügt und für ihre Art erstaunlich kompakt ist. Ansonsten finden sich in diesem Segment vor allem Bridgekameras, die schon richtig gross sind, dafür sowohl über einen gewaltigen Zoombereich wie über eine grosse Lichtstärke verfügen. Hier besonders empfehlenswert sind wiederum Kameras von Sony (RX10 II, sehr teuer) und Panasonic (FZ1000). Es gibt aber auch sehr gute Modelle anderer Hersteller.

Kameras mit Wechselobjektiven

Zum Reisen eignen sich vor allem die neuen „Systemkameras“, die über keinen optischen Sucher mehr verfügen. Man schaut bei ihnen nicht durch das Objektiv, sondern auf einen Monitor, der wie beim Handy das künftige Bild zeigt. Ich werde mich hier auf diese Kameraart beschränken und klassische Spiegelreflexkameras (wo man durch das Objektiv sieht) nur am Rande erwähnen, da diese mir für das Reisen wenig empfehlenswert erscheinen.
Die verschiedenen Systemkameras unterscheiden sich vor allem durch die Sensorgrösse. Nikon setzt auf das schon erwähnte 1 Zoll Format, Panasonic und Olympus auf das etwas grössere „Micro Four Thirds“ System und Sony, Fuji und Canon auf das „APS-C“ Format. Zudem gibt es von Sony noch Vollformatkameras. Was aber sind die Vor- und Nachteile der verschiedenen Sensorgrössen?

Sensorgrössen

Kleinere Sensoren ermöglichen kleinere Objektive und kleinere Kameras. Sie haben aber verschiedene Nachteile:

  • Kleinere Sensoren verfügen entweder über weniger oder über kleinere „Pixel“, also Punkte aus denen das Bild aufgebaut wird. Sie haben also entweder weniger Megapixel (was für bildschirmgrosse Bilder egal ist) oder
  • sie benötigen mehr Licht, bringen also bei schlechten Lichtverhältnissen schlechtere Bilder hervor.
  • Die Bildqualität von grösseren Sensoren ist in der Regel besser (aber nur, wenn auch gute Objektive verwendet werden).
  • Kleinere Sensoren führen zu mehr Schärfentiefe (Tiefenschärfe). Um Bilder mit unscharfem Hintergrund zu machen sind sie weniger gut geeignet (es ist aber möglich),

Nikon 1

Das Nikon 1 System erachte ich als nicht empfehlenswert, da es zu wenig gepflegt wird und qualitativ nicht wirklich überzeugt. Wer eine Nikon nutzen will, sollte sich eine Spiegelreflexkamera kaufen.

Micro Four Thirds (MFT)

Dies ist das System, das ich verwende. Es hat für mich diverse Vorteile:

  • Es gibt extrem viele, sehr unterschiedliche Kameras – von ultrakompakt bis zu hochwertigen Profikameras.
  • Es gibt extrem viele, sehr unterschiedliche Objektive – von ultrakompakt bis zu hochwertigen Profiobjektiven.
  • Das MFT-System ist im Vergleich zum etwas grösseren APS-C System viel kompakter, die Bildqualität ist aber bis auf Nachtaufnahmen (fast) vergleichbar.

Auf Reisen hat dies verschiedene Vorteile. Ich habe meist zwei Kameras mit zwei oder drei Objektiven bei mir. Dies ist möglich, da das System kompakt ist und erspart mir das lästige Wechseln von Objektiven. Auch habe ich quasi stets einen Ersatzakku dabei. Es gibt zudem sehr robuste (auch wetterfeste) Kameras und Objektive, was für mich deshalb eine wichtige Rolle spielt, weil ich die Kameras meist lose in einer Tasche mit mir herumtrage und sie so kaum geschützt sind.

APS-C

Spiegelreflexkameras

In APS-C Grösse gibt es erste Spiegelreflexkameras, die ich wie erwähnt fürs Reisen nicht speziell empfehle – ihr einziger wirklicher Vorteil auf Reisen ist der äusserst geringe Stromverbrauch. Spiegelreflexkameras in APS-C Grösse sind aber oftmals sehr günstig und es gibt für Kameras von Canon und Nikon (etwas eingeschränkter auch für Pentax und Sony) extrem viel Zubehör. Wer also eine Allroundkamera nicht nur fürs Reisen sucht, sollte sich diese durchaus auch anschauen und vor allem eine Spiegelreflex mit einer Systemkamera vergleichen. Spiegelreflexkameras sind gross, die billigen aus Plastik, aber liegen oftmals besser in der Hand als die kompakten Systemkameras. Ich würde allerdings im Bereich der Spiegelreflexkameras eine Vollformatkamera bevorzugen.

Fuji

Spiegellose Systemkameras von Fuji im APS-C Format sind die qualitativ wohl besten Kameras in diesem Segment. Sie sind relativ teuer und vor allem die Objektive sind relativ gross – schneiden in Tests aber auch regelmässig mit Abstand am besten ab. Aussehen und Bedienung von Fujikameras orientiert sich stark an früheren analogen Kameras (mit Film), was für manche gewöhnungsbedürftig sein könnte. Das Fuji-System ist aber auf jeden Fall empfehlenswert und ich habe mir inzwischen sogar eine phänomenale Fuji X-T2 Kamera zugelegt, die für mich deutlich professioneller erscheint als die MFT-Kameras von Olympus und Panasonic. Die Objektivauswahl ist bei Fuji zurzeit noch deutlich kleiner als beim MFT-System. Fuji pflegt das System aber sehr intensiv, weshalb es zukunftssicher zu sein scheint.

Sony

Das Sony-Programm im APS-C Format ist eher bescheiden. Es gibt nur wenige Kameras und viele der relativ wenigen verfügbaren Objektive schneiden in Tests deutlich schlechter ab als jene der Konkurrenz – oder sind extrem teuer. Nur bedingt empfehlenswert.

Canon

Das spiegellose Canonsystem („EOS M“) ist zurzeit nicht empfehlenswert, da es von Canon kaum gepflegt wird. Wer eine Canon nutzen will, sollte sich eine Spiegelreflexkamera zutun.

Vollformat

Das Vollformat ist – abgesehen vom nur im Profibereich verwendeten Mittelformat – das Königsformat heutiger Kameras. Kameras und Objektive sind allerdings gross und schwer – wenn auch in vielen Situationen den kleineren Formaten (leicht) überlegen. In diesem Segment gibt es heute nur Systemkameras von Sony und Leica, die beide sehr teuer sind – bei Sony vor allem die Objektive. Günstigere Objektive von Sony sind hier wie beim APS-C Format nicht zu empfehlen.
Wer sich eine Vollformatkamera zulegen möchte, greift heute wohl am besten zu einer Spiegelreflexkamera von Nikon oder Canon. Pentax hat vor kurzem eine ganz neue Kamera vorgestellt, die ich mir auch näher anschauen würde – zum Reisen sind diese Kameras aber kaum noch geeignet, da zu gross und vor allem zu schwer. Wenn Spiegelreflex, dann empfehle ich aber auf jeden Fall eine Vollformat- und keine APS-C Kamera zu nehmen. Sie sind zwar teurer, aber man hat dann auch eine richtig gute Kamera.

Mittelformat

Die grössten Sensoren gibt es heute im Mittelformat. Die Kameras waren gross, schwer und vor allem – extrem teuer. Wir sprechen hier von 15’000 Franken an aufwärts – alleine für das Gehäuse. Mittelformatkameras waren bis vor kurzem fürs Reisen absolut ungeeignet. Im Sommer 2016 hat aber Hasselblad eine neue System-Mittelformatkamera vorgestellt, die verhältnismässig kompakt ist und „nur“ rund 10’000 Franken kosten soll. Es gibt bislang aber noch kaum Objektive dafür und diese sind recht lichtschwach. Es ist fraglich, ob die Hasselblad wirklich eindeutige Vorteile hat gegenüber einer Vollformatkamera. Wer sich für das Mittelformat interessiert, sollte auf jeden Fall die Pentax 645z genauer anschauen, die auch relativ kompakt ist und inklusive Objektiv für gut 10’000 zu haben ist. Aber auch sie ist definitiv keine Reisekamera mehr.

Nachtrag: im Herbst 2016 hat auch Fuji eine vielversprechende Mittelformatkamera (ohne Spiegel) vorgestellt, die ab 2017 im Handel erhältlich sein wird, die GFX50s. Gleich zu Beginn werden 6 Objektive erhältlich sein, eine weitere spannende Alternative zum Vollformat.

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