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Sex or Gender

Besonders um den Begriff „Geschlecht“ gibt es zurzeit einen regelrechten Kulturkampf. Dieser lässt sich leicht lösen, wenn man den Begriff des „Geschlechts“ analysiert. Dabei wird schnell klar, dass es ein Begriff mit mehrfacher Bedeutung, ein Homonym ist.

Im Schweizer Pass gibt es mehrere Angaben zur Person, der der Pass gehört. So steht da die „Grösse“, aber auch das „Geschlecht“. Beide Begriffe sind Homonyme. Mit Grösse kann unter anderem die Länge – oder auch die Breite bezeichnet werden. Im Pass steht aber nur die Länge, ohne dass das explizit hervorgehoben wird.

Vergleichbar ist das beim Geschlecht. Hier steht der Begriff für das biologische Geschlecht. Dieses ist bei weit über 98 Prozent der Menschen eindeutig bestimmbar, wobei man das biologische Geschlecht phänotypisch (Geschlechtsorgane) oder genotypisch (Chromosomen) definieren kann. Wieviele Intersexuelle, also Menschen mit nicht eindeutigen Geschlechtsmerkmalen, es gibt ist unklar. Die Schätzungen variieren von ca. 0.1 bis zu 1.7 Prozent. Das heisst umgekehrt, dass die biologische Unterscheidung zwischen männlich und weiblich für über 98 Prozent der Menschen eindeutig ist. Für Intersexuelle liesse sich zum Beispiel im Pass eine weitere Kategorie „i“ einführen. Damit wären 100 Prozent der Menschen eindeutig eingeteilt, wobei es wohl fliessende Übergänge geben würde zwischen i und m/w.

Das biologische Geschlecht entspricht im Pass der „Grösse als Länge“, was sich auch daraus erschliessen lässt, dass in der englischen Übersetzung „Height“ und „Sex“ steht, was für „Länge“ und „biologisches Geschlecht“ steht.

Seit einigen Jahren wird nun eingewandt, dass es auch Menschen gebe, die zum Beispiel mit einem männlichen (oder weiblichen) Körper geboren worden seien, sich aber gefühlsmässig dem gegensätzlichen Geschlecht zuordnen: die Rede ist von Transmenschen. Und von Geschlecht, allerdings in einer anderen Bedeutung, hier im Sinne von „Gender“, statt „Sex“. Transmenschen sind biologisch eindeutig männlich oder weiblich. Es geht also nicht um ihren „Sex“, sondern um ihr gefühltes, wahrgenommenes Geschlecht. Das Gleiche gilt für viele nonbinäre Menschen, die sich weder als männlich noch als weiblich wahrnehmen. Ihr Geschlecht im Sinne von gefühltem Gender lässt sich nicht eindeutig in eine m/w Schema einfügen.

Gender ist aber etwas völlig anderes als Sex. weshalb die Kategorie im Pass nicht einfach angepasst werden kann. Sollte Geschlecht im Pass in Zukunft für „Gender“ stehen und nicht für „Sex“ wäre das dasselbe, als ob man plötzlich die „Breite“ statt „Länge“ erheben würde. Es müsste sich auf jeden Fall überlegt werden, ob eine solche Änderung Sinn ergeben würde, eine solche Diskussion bleibt zurzeit aber leider aus.

Eine Lösung wäre einfach. Man lässt es wie es ist (oder ergänzt noch das „i“ für biologisch Intersexuelle), man ersetzt es durch einen neuen Begriff (z.B. neu: Gender statt Geschlecht) oder man fügt „Gender“ hinzu. So würde dann im Pass stehen:

Geschlecht („Sex“) mit m/w/i als Auswahl. Damit wären (fast) alle Menschen eindeutig zuordenbar, ein Geschlechtswechsel könnte nur dann eingetragen werden, wenn eine körperliche Transition durchgeführt wurde – oder gar nicht.

Geschlecht („Gender“) mit m/w/d als Auswahl. Vorteil dieser Lösung wäre es, dass zum Beispiel eine Transfrau mit Geschlecht „m“ und Gender „w“ korrekt eingeordnet wäre. Nonbinäre, welche ebenfalls über ein eindeutiges biologisches Geschlecht verfügen hätten mit „d“ eine Auswahlmöglichkeit (z.B. Geschlecht w, Gender d). Beim „Gender“ könnte die Wahl frei geschehen (ev. auch mit Wechselmöglichkeit), beim „Sex“ wäre ein Wechsel aber bis auf wenige mögliche Ausnahmen nicht möglich, wie es ja auch der Status Quo ist.

Passeinträge könnten also für mich lauten:

Sex: m (Lösung von heute)
Gender: m (der Begriff des Geschlechts müsste wegen neuen Bedeutunginhalts angepasst werden!)
Oder Sex: m, Gender: m

Problematisch ist, was zurzeit geschieht, dass „Sex“ durch „Gender“ ersetzt werden soll, ohne dass dies wirklich klar deklariert wird, noch darüber eine gesellschaftliche Debatte stattfindet.

Am Rande soll hier noch ergänzt werden, dass es bei dieser Debatte nicht um die sexuelle Orientierung geht, was gerne vermischt wird. Ob jemand homo- oder hetero- oder bi- oder asexuell ist, spielt weder für das gefühlte Geschlecht („Gender“) noch für das biologische Geschlecht („Sex“) eine Rolle.

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